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Erklärung zum G8-Treffen, UK-Schottland 2005

CADTM, Komitee für die Streichung der Schulden der Dritten Welt, vom 4. Forum der Völker - Mali

Trotz des Zynismus der G8 schreitet die Organisierung der afrikanischen Völker voran

 

Verfasst in Fana (Mali), am 10. Juli 2005. Unterzeichnet: Victor Nzuzi (Dem. Rep. Kongo), Jean Mpélé (Kongo Brazzaville), Olivier Bonfond (Belgien), Delegierte des internationalen CADTM-Netzwerks, Komitee für die Streichung der Schulden der Dritten Welt

 

Im Folgenden veröffentlichen wir eine Erklärung aus Mali, wo das 4. Forum der Völker als Kontrapunkt zum G8-Gipfel von Gleneagles abgehalten wurde.

 

Bauern und Bäuerinnen, Viehzüchter, Jäger, Fischer, Frauen, Arbeiter und Arbeiterinnen, die Opfer der Privatisierungen und von Entlassungen geworden waren, Jugendliche, Arbeitslose, Intellektuelle, Sozialbewegungen aus Afrika und der gesamten Welt kamen von 6. bis 8. Juli 2005 unter freiem Himmel und vollständiger Transparenz zur 4. Auflage des "Forums der Völker", dem afrikanischen G8-Gegengipfel, im malinesischen Dorf Fana zusammen.

Ziel dieser - angesichts der beachtlichen Mobilisierung und der starken Beteiligung von Menschen aus ländlichen Gebieten -einzigartigen Initiative ist es, ausgehend von den Anliegen der Bevölkerungen, insbesondere der bäuerlichen Gesellschaftsschicht (80% der afrikanischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft), Alternativen und Strategien für den Widerstand und für neue Aktionen auszuarbeiten.

Während dieser 4 Tage des Austauschs und der Debatten diskutierten die Bauern und Bäuerinnen und andere Teilneh-merInnen über verschiedene Themen rund um den Widerstand gegen die neoliberale Ordnung, beispielsweise im Bereich der Landwirtschaft: GVO, Nahrungssouveränität, Agrarreform (Zugang der Bauern, insbesondere der Bäuerinnen, zu Grund und Boden, gegen die Beraubung dieser durch die multinationalen Agrarkonzerne und die lokalen Herrscherklassen)...

Zeitgleich protestierten die verschiedensten sozialen und altermondialistischen Bewegungen in Schottland mit allen Kräften gegen dieses Treffen der politischen Führer der G8, die gekommen waren, um in der Festung von Gleneagles hinter verschlossenen Türen über die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren, und das unter Anwesenheit von 7 Staatschefs der afrikanischen Union und der Musiker Bono und Bob Geldof.

Die G8, die eine illegitime Institution ist, hat dieses Mal die Verringerung der Armut in Afrika und die globale Klimaerwärmung in den Mittelpunkt ihrer Diskussionen gestellt. Doch einmal mehr wurden mit den vorgeschlagenen Lösungen lediglich wohltätige Aktionen versprochen, mit denen keineswegs die Ursachen des Anwachsens der Armut und der Ungerechtigkeiten - nämlich die neoliberalen Politiken - bekämpft werden.

Tatsächlich ist die angekündigte Verdoppelung der staatlichen Entwicklungshilfe bestenfalls ein bitteres Lächeln wert, wenn man bedenkt, dass der finanzielle Beitrag, zu dem man sich vor 35 Jahren verpflichtete (0,7% des Bruttosozialprodukts), immer noch nicht aufgebracht wurde.

Zudem wird die versprochene Streichung der multilateralen Schulden einiger armer Länder weder das Ende der Armuts-tragödie noch der Schuldensklaverei bedeuten.

Was die Aufhebung der Exportsubventionen betrifft, so müssen sich die Landwirte der Dritten Welt mit einem vagen Versprechen, dass diese "innerhalb einer realistischen Frist" umgesetzt würden, abspeisen lassen.

Die plötzliche Anerkennung des Zusammenhangs zwischen dem wachsenden Ungleichgewicht des Ökosystems und dem "menschlichen Wirken", die nicht einmal mit einem Versprechen, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren, einhergeht, ist Ausdruck des Zynismus der G8, der durch die Vertreter der afrikanischen Union gebilligt wird.

Angesichts dieser Situation hat sich das Forum der Völker dazu verpflichtet, verstärkt solidarisch gegen die neoliberale Ordnung vorzugehen, vorrangig mit folgenden Zielen:

  • Vollständige und bedingungslose Streichung der Staatsschulden der Länder Afrikas und der Dritten Welt.
  • Sofortige Beendigung der Privatisierung staatlicher Unternehmen, unverzügliche Rückübertragung der bereits privatisierten Unternehmen in die öffentliche Hand - und das unter der aktiven Kontrolle der ArbeiterInnen und allgemein der Bevölkerung.
  • Zugang der Kleinbauern, insbesondere der Bäuerinnen, zu Grund und Boden und zu den anderen Produktionsfaktoren.
  • Beendigung aller Vorhaben zur Einführung von GVOs, auch der Experimente mit diesen, sowie Schaffung einer echten ökologischen Weltordnung.
  • Umsetzung gerechter internationaler Regeln zugunsten eines fairen Handels, die zur Nahrungssouveränität der Völker Afrikas und der Welt beitragen.
  • Wirtschaftspolitiken, bei denen die Wahrung der grundlegen-den Menschenrechte wie Bereitstellung von Wasser, Arbeit, Gesundheit und Bildung durch die öffentlichen Hand Priorität haben.
  • Beendigung der Konflikte, die allzu oft zur Sicherung einer neokolonialen Kontrolle der Ressourcen inszeniert werden.
  • Massive Mobilisierung anlässlich der kommenden Großereignisse wie beispielsweise dem Weltmarsch der Frauen in Ouagadougou im Oktober 2005, des dezentralisierten Weltsozialforums 2006 in Bamako.

Das Forum von Fana hat im Regen begonnen und geendet – ein symbolisches Anzeichen dafür, dass der Kampf der afrikanischen Völker Früchte tragen wird.

 

Ehrenamtliche Übersetzerin: Cecile Kellermayr, coorditrad [at] attac.org

 

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