Wir sind hier um uns mit den drei Milliarden Menschen in der Welt, die in Armut leben menschheitlich solidarisch zu erklären. Wir sind hier um zu erklären, dass wir eins sind mit dem Kind in Malawi, das an AIDS stirbt, mit der Ureinwohner-Frau in den Hochebenen von Peru, die durch Rassismus zu einem Leben in Armut verdammt ist, dem philippinischen Bauern, der durch Billigimporte von subventioniertem Getreide aus der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von seinem Land vertrieben wurde.
Doch lasst uns über eines völlig im Klaren sein: Unser Marsch gilt nicht der Wohltätigkeit. Sondern wir marschieren für Gerechtigkeit.
Die Verantwortlichen des G8 erklären, dass sie die Schulden von 27 armen Ländern erlassen. Wir fragen: Warum werden nicht die Schulden aller Entwicklungsländer gestrichen, da sie diese ohnehin schon in mehrfacher Höhe zurückgezahlt haben?
Die G8-Vertreter behaupten, dass sie die Hilfen für Afrika verdoppeln werden. Wir fragen, welche Bedingungen an diese Hilfen geknüpft sind, denn Bedingungen wird es sicherlich geben? Und wir sagen, dass keine Hilfe besser ist, als eine die an Bedingungen geknüpft ist.
Armut ist ein enormes Problem. Doch wurzelt Armut in einem noch viel grundlegenderen Problem – einem System das auf Ausbeutung, Entmachtung, Enteignung und Ausgrenzung setzt und darauf aufbaut. Auf die Frage, wie man dieses System nennen soll, antwortete der Finanzexperte George Soros offen und ehrlich: "Globaler Kapitalismus".
Der globale Kapitalismus hat viele Gesichter. Es gibt natürlich die grenzüberschreitenden Unternehmen, welche die treibende Kraft hinter der globalen Erwärmung sind. Es gibt den Internationalen Währungsfond, welcher die Ansprüche der Kreditgeber gegenüber den Schuldnerländern des Südens geltend macht. Es gibt die Weltbank, die – unter dem Deckmantel die Armut auszumerzen zu wollen – tatsächlich aber unsere Marktwirtschaften der Ausbeutung durch Unternehmen aus dem Ausland öffnet und die Bedingungen dafür begünstigt. Es gibt die Welthandelsorganisation, welche den Diebstahl und die privatisierte Nutzung von über die Jahrhunderte gesammeltem Wissen unserer Ureinwohner legalisiert.
Und dann gibt es da noch den G8. Freunde, der G8 ist nicht Teil der Lösung. Er ist Teil des Problems.
Abschließend, lasst mich die Frage stellen: Können wir wirklich den Schmerz unserer an Armut leidenden Brüder und Schwestern in Afrika fühlen, ohne zugleich das Leid unserer Brüder und Schwestern im Irak zu spüren, welche unter der grausamen fremdländischen Besetzung leiden?
Denn, ist Leid nicht unteilbar? Ist Gerechtigkeit nicht unteilbar? Ist Solidarität nicht unteilbar?
So lasst uns Herrn Bush und Herrn Blair, Herrn Berlusconi und Herrn Koizumi sagen: Wir werden euch nicht erlauben, die Rhetorik der Armutsbekämpfung in Afrika dafür zu benutzen, unsere Aufmerksamkeit von eurer kriminellen Inbesitznahme und eurer Verletzung der Menschenrechte im Irak abzulenken.
So lasst uns uns in jedem Fall der Beendigung der weltweiten Armut widmen. Doch wir müssen ebenso – bedingungslos und sofort – die Fremdbesetzung des Irak stoppen.
Lasst uns dafür sorgen, dass Armut Geschichte wird. Dass Krieg Geschichte wird. Dass der G8 Geschichte wird.
Walden Bello ist Vorsitzender von "Focus on the Global South" und Soziologieprofessor an der Universität der Philippinen.
Quelle: www.focusweb.org
Ehrenamtliche Übersetzung: Susanna Scherer