Nun haben sie sich wieder getroffen, die Mächtigsten der Mächtigen, mit ihren Fototerminen und Zeremonien auf dem gestriegelten Golf-Rasen der britischen Aristokratie. Und sie rufen der Welt zu: Wir machen weiter so. Mal wieder ein paar Almosen für Afrika, keine Wende in der Klimapolitik. Wir machen weiter so. Im Schatten der G8- verschieben sich allerdings die Gewichte der Welt und auf vielen verschiedenen Ebenen treten erfolgreiche Gegenbewegungen auf.
Zum vierten Mal fand in Mali der Gegengipfel Afrikas zu G8 statt. "Diese Staatschefs der reichsten Länder der Welt behaupten, dass sie sich für die Entwicklung Afrikas einsetzen, aber in Wirklichkeit sind sie dabei, die Konkurrenz unserer Volkswirtschaften mit den Märkten des Nordens durch ihre Freihandelspolitik auszuschalten" erklärte A. Touré. Gegen Einmischung, Liberalisierung und Privatisierung, gegen Almosen (die nicht mal sicher sind, Bericht S. 15) setzen sie auf ihre eigene Kraft und fordern u.a. die Streichung aller öffentlichen Schulden der Dritten Welt. Solche Forderungen erhoben auch die ProtestteilnehmerInnen in Gleneagles (Erklärung der europäischen attacs).
Vor 50 Jahren fand die Bandung-Konferenz statt - "Dort wurde das Bewusstsein des Südens geboren".
50 Jahre später beobachten wir – unter völlig neuen weltpolitischen Bedingungen – ein Wiederaufleben antihegemonialer Kräfte im Süden (Samir Amin). Venezuela z.B. hat gerade mit anderen lateinamerikanischen Ländern die ersten Schritte zu einer solidarischen Nutzung der Erdölschätze des Subkontinents unternommen. Präsident Hugo Chavez verkörpert dieses neue Selbstbewusstsein des Südens, wenn er zuruft: "Das Imperium ist nicht unbesiegbar, es ist wichtig, das zu wissen. (...) Goliath ist nicht unbesiegbar. Das macht ihn noch gefährlicher, das stimmt. Denn der Imperialismus beginnt seine Schwächen zu spüren, deshalb greift er zur brutalen Gewalt."
Der Irak-Krieg ist ein Beispiel dafür. "Können wir wirklich, fragt Walden Bello, "den Schmerz unserer an Armut leidenden Brüder und Schwestern in Afrika fühlen, ohne zugleich das Leid unserer Brüder und Schwestern im Irak zu spüren". Wir dokumentieren die einleitende Rede von Arundathi Roy und die Ergebnisse des Iraktribunals in Istanbul und veröffentlichen einen Beitrag von J. Guilliard, der sich mit den "Besatzermythen" auseinandersetzt. Zu den Bombenanschlägen in London bemerkt Tariq Ali: "Die wirkliche Lösung liegt in der schnellen Beendigung der Besetzung des Iraks, Afghanistans und Palästinas".
Bei all dem ist Selbstverständigung jenseits der Tagespolitik nötig. In einem offenen Brief an einen jüngeren Mitstreiter stellt Klaus Meschkat, ein Veteran der 68-Bewegung, die Frage nach dem Verhältnis von Rudi Dutschke und der Antiglobalisierungs-Bewegungen heute. Alles antiquiert und verstaubt?".
In Europa gilt es jetzt, den Erfolg des "Nein" zu der EU-Verfassung zu sichern. Dazu sind auch unabhängige Medien erforderlich, dies entwickelt . I. Ramonet - "Die Qualität der Demokratie hängt von der Qualität der demokratischen Debatte ab. Und die funktioniert nur, wenn unabhängige Medien, die vor ökonomischen Repressalien keine Angst haben, ihr eigenes Informationskonzept entwickeln können."
Die SiG-Redaktion